Die Ufer des Lago di Bolsena im nördlichen Latium, wenige Kilometer von Viterbo entfernt, liegen in einer äußerst geschichtsträchtigen Gegend und zwar nicht nur in Hinblick auf Geschichte, wie sie in Büchern der Archäologie und den Chroniken des antiken italienischen Vielvölkerstaats (an den Ufern des auch Vulsino
genannten Sees haben sich die Zivilisationen der prähistorischen Villanova, der Etrusker und der Römer abgewechselt) erzählt wird. Vielmehr kehrt man hier zur Geschichte der Grundelemente Feuer, Erde, Luft und Wasser zurück, die uns zu den Ursprüngen unseres Planeten und des Lebens führt.
Vor Jahrtausenden existierte hier ein Vulkan, der nach wiederholten und häufigen Ausbrüchen in sich zusammenfiel und einen Krater bildete, der sich allmählich mit Wasser gefüllt hat. Der daraus resultierende Lago di Bolsena ist der größte vulkanische See in Europa. Hier hört man das Echo der Vergangenheit, den Widerhall entfernter Epochen. Wichtige Zentren der Villanova und später der Etrusker waren Visentium (Bisenzio), zwei Kilometer westlich vom heutigen Capodimonte sowie Velsna, unter den Römern Volsinii genannt und schließlich Bolsena. Nach dem Einfall der Barbaren, prägen die Belange der Kirche und der römischen Adelsfamilien, darunter der Farnese, die neuere Geschichte dieser Gegend.
An den fruchtbaren Ufern wechseln sich Eichen- und Kastanienwälder mit Weinbergen, Olivenhainen und Gemüsefeldern ab. Eine ca. 60 km lange Straße umringt den See und bietet sowohl an den Strecken nahe am See als auch an den Abschnitten, die durch natürliche Hindernisse bedingt einen Umweg erforderlich machen, ein ständig beeindruckendes Panorama, interessant auch deshalb, weil der See Refugium für riesige Schwärme von Wandervögeln ist. Der See ist aber auch wunderbar zum Fischen, egal ob für Vögel oder Menschen geeignet. Die Artenvielfalt ist beeindruckend; Aale, die bereits bei den Römern beliebt waren und an die Dante in seiner Göttlichen Komödie erinnert, Maränen, Hechte, Forellenbarsche, Karpfen und Schleien. Die Fischerei spielt hier eine derart relevante Rolle, dass sie zu einem Erkennungsmerkmal der Landschaft geworden ist. Die verwendeten Boote gehören einer speziellen seit jeher unveränderten Typologie an, bei der der Fischer stehend die asymmetrischen Ruder bedient: nur das vordere Ruder dient der Fortbewegung, während das hintere zum Manövrieren verwendet wird.
Zu den charakteristischen natürlichen Phänomenen des Sees gehören die„Sesse“; dabei handelt es sich um plötzliche Veränderungen des Wasserstands, den Gezeiten ähnlich, die aber unvorhersehbar und vom Luftdruck oder Wind abhängig sind. Ein weiteres häufiger auftretendes und leichter zu bemerkendes Phänomen ist die so genannte abnormale Welle: mit einem scheinbar unerklärlichen Ursprung nimmt sie an Größe und Geschwindigkeit zu, bis sie, ohne Schaden zu verursachen, das Ufer erreicht.
Die geschichtsträchtigen Ortschaften am Ufer und an den Monti Volsini, den Hängen, die den See pittoresk umrahmen, sind sehr gastfreundlich: von der Hauptstadt Bolsena bis Montefiascone mit dem schönsten Gesamtblick auf den See; von Marta, dem aktiven Fischereihafen, bis Capodimonte, das auf einem pittoresken in den See reichenden Vorgebirge liegt; von dem auf einem Tuffstein in dem Krater liegendem Gradoli mit dem eleganten Palazzo Farnese (16. Jahrhundert), bis Grotte di Castro, das die Faszination einer mittelalterlichen Struktur bewahrt hat, und San Lorenzo Nuovo, das ein perfektes Beispiel für die Stadtplanung des 18. Jahrhunderts bietet (Info Bootsfahrten: Tel. 0039 07 61870760).
Die Gegend Tuscia genannt, die heute die Provinz von Viterbo ist, war die Wiege der etruskischen Zivilisation. Wichtige Zeugnisse kann man unweit vom Lago di Bolsena finden, vor allem in Vulci, San Giovenale, Norchia, Corchiano, Castel d’Asso, Tarquinia, eine der Hauptstädte der etruskischen Dodekapolis, und Tuscania.
Zwischen Geschichte und Gegenwart kann sich der Besucher des Lago di Bolsena auch mit der Gastronomie der Tuscia befassen: typische Gemüsesuppen, Fleisch- und Fischgerichte, Gemüse, Ziegenkäse, Olivenöl und ausgezeichnete Weine, angefangen bei dem berühmten Est Est Est von Montefiascone.
keine(r)
Posted on Juni 4th, 2009 von redaktion
Filed under: Ausflugsziele
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